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Mendelssohn - Elias 26./27./29.11.2007 Bonn/Wuppertal/Solingen

Unmittelbar dabei

 Mendelssohn-Bartholdys "Elias" in der Beethovenhalle

 

Unter den alttestamentarischen Propheten spielt Elias eine besondere Rolle: furchtlos und stark, ein echter Kämpfer, der am Ende seines Lebens von einem Wagen mit feurigen Rossen in den Himmel geholt wird.
Der richtige Mann für ein Oratorium, dachte sich Felix Mendelssohn-Bartholdy und schrieb seinen "Elias", der 1846 in Birmingham uraufgeführt wurde. Die Dramatik der Prophetenbiografie ist auch in der Beethovenhalle zu spüren. Zur Eröffnung des von dem Orchester der Musikhochschule aus dem rumänischen Jasi veranstalteten "Festivals der sakralen Musik" liefern alle Beteiligten eine eindrucksvolle Vorstellung ab. Unter der Leitung von Jürgen Böhme überzeugt der als Gast geladene groß besetzte Chor der Bonner Bach-Gemeinschaft trotz leichter Probleme bei der Abstimmung mit dem Orchester durch Sicherheit und Gestaltungswillen.
Die musikalische Steigerung bei der Anrufung Baals gelingt der Bach-Gemeinschaft ebenso gut wie die Naturgewalten bei der Ankunft Gottes auf dem Berg Horeb: Sturmwind, Meeresbrausen, Erdbeben, Feuer - aber erst im sanften Säuseln naht sich der Herr, und dank der meisterhaften lautmalerischen Darstellung ist jeder Zuhöherer unmittelbar dabei.
Böhme hält das ausladende Geschehen mit flotten Tempi zusammen - das ist gut so, aber in den lyrischen "Elias"-Hits "Denn er hat seinen Engeln" und "Hebe deine Augen auf" wirken die Engel doch etwas hastig und atemlos.
Georg-Emil Crasnaru singt den Elias. Sein Bass vermittelt noch einen deutlichen Eindruck früherer Größe, kann aber nicht mehr alles an Ausdruck erfüllen, was Crasnaru ihm abverlangt, so dass Präzision und Tonschönheit mitunter auf der Strecke bleiben. Selbst der hervorragende Tenor Uwe Buchmann kann nicht verhindern, dass das Solistinnenquintett, angeführt von der großartigen Sopranistin Claudia Couwenbergh und dem wunderschönen, schlanken Alt von Sandra van Gemert, an diesem Abend den Sieg davonträgt: So singen Engel.
Auch die junge Sängerin, die den kleinen Knabenpart mit glasklarer Höhe ausleuchtet, hätte eine Erwähnung im Programmheft verdient.

Aus dem Feuilleton des General Anzeiger Bonn, 28.11.2007 (Gunild Lohmann)

Knorriger Prophet kämpft für seinen Gott

Die Bonner Bach-Gemeinschaft führte das Oratorium "Elias" in der Beethovenhalle auf  

In der Beethovenhalle hat die Bonner Bach-Gemeinschaft den "Elias" von Felix Mendelsssohn-Bartholdy gesungen beim "Musica Sacra dal Mondo"-Festival, das erstmals nach dem Vorbild der seit 2003 in Florenz beheimateten gleichnamigen Musikwoche in Bonn, Düsseldorf, Solingen und Wuppertal in der letzten Novemberwoche veranstaltet wird. Außer in Bonn führte die Bonner Bach-Gemeinschaft das Oratorium noch in Solingen und Wuppertal auf mit jeweils wechselnden Dirigenten. Man hat Großes im Sinn und stellt in den Konzerten mit der Musik der Völker das Gemeinsame der Weltreligionen heraus gegen Fundamentalismus und Terrorismus.
Das ist per se gut, auch wenn der Elias aus dem "Buch der Könige" im Alten Testament mit seinem Kampf gegen die Baal-Anbeter und für die Alleinstellung seines Gottes zumindest kein ganz klares Beispiel für Toleranz abzugeben scheint. Und er ist auch sonst nicht gerade ein "Heiliger", wie er betet und wettert. Luther war auch so. Mendelssohn muss soviel protestantische Knorrigkeit zugesagt haben. Unter Jürgen Böhme hat der seit 1980 an deutschen Bühnen engagierte Rumäne Georg-Emil Crasnaru mit mächtiger Stimme den Propheten dargestellt als einen, der kämpft für seinen Gott.
Die Juden brauchten einen überlegenen Gott, wollten sie in ihrer feindlichen Umwelt bestehen. Das klingt sehr

aktuell, aber im Augenblick braucht es eher Propheten, die mit Engelszungen reden. Rumänisch war auch das Bukarester Hochschulorchester, das beachtlich in die Aufgaben hineinwuchs. Gleich richtig drin waren der Riesenchor der BBG und das große Vokalsolisten-Aufgebot für die Arien und für die Figuren der Handlung. Mendelssohn hat vor allem den Frauenstimmen wunderbar empfindsame Partien komponiert - Claudia Couwenbergh, Sandra van Gemert, Marlene Schober, Anne Christin Weisel sangen imponierend schöne Ensembles.
Eindrucksvoll hat der Chor Mendelssohns große Chorszenen bewältigt. Berühmt sind Stücke wie "Aber der Herr sieht es nicht" aus dem ersten Teil oder "Der Herr ging vorüber" im zweiten. Ein anrührend schöner Auftritt für Crasnaru war die cellobegleitete Arie "Es ist genug!". Alles bekam viel Beifall

Aus der Bonner Rundschau, 29.11.2007

Mendelssohns "Elias" - Grandioses Erlebnis

 

Mendelssohns "Elias" ist der einsame Gipfelpunkt des romantischen Oratoriums. Es ist verblüffend, wie sehr dieses Werk über den biblischen Propheten mit den Verhältnissen im heutigen Palästina korrespondiert. Diktatorische Strukturen, Glaubenskämpfe, Terrorismus, das alles gab es bereits 900 vor Christus. Die Aufführung des gewaltigen Opus am Donnerstag in der Kirche St. Suitbertus Weeg, im Rahmen des Festivals "musica sacra dal mondo" war ein grandioses Erlebnis. Unter der Leitung von Michael Beck spielte ein hoch motiviertes Studentenorchester aus Rumänien und es sang der Chor der Bonner Bach-Gemeinschaft. Was die Sängerinnen und Sänger hier an Präzision, Klangschönheit und Dynamik boten, war gößter Bewunderung wert.
Die überaus anspruchsvolle Rolle des Propheten sang Georg-Emil Crasnaru. Er füllte mit seinem mächtigen Bass den Kirchenraum und gab dem triumphierenden wie dem verzweifelnden Mann Gottes schärfstes Profil. Die große Arie "Es ist genug" wurde zum zutiefst bewegenden Abschied von der Welt. Anrührend und mit schönem Sopran gestaltete Claudia Couwenberg die Sopranpartien. Als böse Königin wie als tröstender Engel gefiel Sandra van Gemert, Alt. Uwe Buchmann lieh sein schönes Tenortimbre Obadjah, dem Jünger des Propheten. Im Vokalquartett wirkten Marlene Schober, Anne Weisel, Jörg Deuschewitz und Christian Janz. Diese Aufführung war ohne Zweifel der Höhepunkt in der vorweihnachlichen Konzertsaison. Sie hätte eine deutlich größere Resonanz verdient gehabt!

Aus dem Solinger Tageblatt, 1. Dezember 2007

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