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Dvorak - Stabat Mater 24.02.2008 Beethovenhalle

Bonner Bach-Gemeinschaft triumphiert mit Dvorak

Berührtheit des Publikums in begeistertem Applaus entladen -
Vorbildliche Balance zwischen Solisten, Chor und Orchester

 

Man konnte ihn dem Dirigenten buchstäblich vom Herzen fallen hören, jenen sprichwörtlichen "Stein", das tiefe, glückliche Durchatmen, nachdem der letzte Ton von Antonin Dvoraks "Stabat mater" verklungen war und Jürgen Böhme, seit April vorigen Jahres der neue künstlerische Leiter der Bonner Bach-Gemeinschaft, die Hände nach einigen Sekunden des Innehaltens sinken ließ.

Die Berührtheit des Publikums entlud sich in begeistertem Applaus. Erst eine halbe Stunde vor Aufführungsbeginn war mit Mark Rosenthal ein Ersatz für den plötzlich ausgefallenen Solisten der Tenorpartie gefunden worden, und was für einer! Rosenthal verfügt über schönen lyrischen Schmelz und passte sehr homogen in das Solistenquartett aus Anja Eichhorn mit ihrem strahlkräftigen Sopran und Susanne Schaefer mit warm leuchtendem Alt, sowie Mark Morouse - Rosenthals ebenfalls (aber nicht ganz so kurzfristig) eingesprungener Ensemble-Kollege von der Bonner Oper - mit seinem profunden Bass.

Für den Chor der Bonner Bach-Gemeinschaft, die im kommenden Jahr auf ihr 60-jähriges Bestehen zurückblicken wird, ist Dvoraks erstes großes Chorwerk durchaus kein Neuland. Dennoch ist, und das ist Jürgen Böhme zu danken, diese Neueinstudierung von bewundernswerter Lebendigkeit und Frische. Kaum zu glauben, dass einer Hundertschaft von Sängerinnen und Sängern ein solch samtener, schlanker Ton wie zu Beginn der ersten Kantate zu entlocken ist.

Und das nachfolgende Crescendo gipfelt in ein Fortissimo ohne jegliche Schärfe. Riskante Tonhöhen sind dabei kein Thema; tadellos auch Artikulation und Textverständlichkeit. Böhme gelingt es zudem, die numerische Übermacht der Damen gegenüber den deutlich unterlegenen Herren so auszutarieren, dass dieses Manko fast eines jeden Laienchores hier klanglich kaum zu Buche schlägt.

Vorbildlich auch die Balance insgesamt zwischen Solisten, Chor und Orchester, wobei mit den Bochumer Symphonikern ein Klangkörper zur Verfügung stand, der Dvoraks spezifisch tschechischer Idiomatik, insbesondere was das Verhältnis von Holz und Streichern anbelangt, dicht auf den Fersen bleibt. In der finalen zehnten Kantate erreicht er klanglich jedoch durchaus auch Verdi'sche Volumina und verhilft damit dem erflehten "Paradisi gloria" zu einer ganz und ganz irdischen Glückseligkeit.

Aus dem Feuilleton des General Anzeiger Bonn, 26.02.2008 (Fritz Herzog)

Leid, Tod und Hoffnung

Bonner Bach-Gemeinschaft führte Antonin Dvoraks „Stabat Mater“ auf


Die leidvollle Erfahrung mit dem Tod durch den Verlust dreier seiner Kinder innerhalb von zwei Jahren macht Antonin Dvoraks oratorienhafte Vertonung des „Stabat Mater“ zu einer besonders persönlichen Arbeit. Ihren historischen Ursprung hat das 20 Strophen umfassende mittelalterliche, das Leid der am Kreuz trauernden Mutter Gottes zum Ausdruck bringende Reimgebet in der franziskanischen Passions- und Marienfrömmigkeit. Sinngemäß fügt sich Dvoraks erstes, 1876/77 komponiertes Oratorium in die Fastenzeit vor Ostern ein. Es war der Bonner Musikverleger Fritz Simrock, der das Werk als op 58 herausgab.

Für die Bonner Bach-Gemeinschaft war es das erste Chorkonzert in großer Besetzung unter ihrem 2007 berufenen musikalischen Leiter Jürgen Böhme. Instrumental zu Seite standen die sehr präzise und mit beachtlicher Sensibilität musizierenden Bochumer Symphoniker. Solisten waren Anja Eichhorn (Sopran), Susanne Schaeffer (Alt) sowie die aus der Oper quasi in letzter Minute für zwei erkrankte Sänger herbeigeeilten Marc Rosenthal (Tenor) und Marc Morouse (Bass). Böhme durfte an diesem Abend, nach dieser warmherzigen Aufführung, bei der die Bonner Bach-Gemeinschaft in der Bonner Beethovenhalle durch Sänger der Eltener Stiftskirchenkonzerte (Einstudierung Theo Römer) aus dem Norden unterstützt wurden, zufrieden sein.

Im ersten Chor, dem gewollt zögernden Beginn, entfaltete das große Ensemble bereits den von Schmerz erfüllten, traurigen Gestus nach einem gelungenen, jene Stimmung vorwegnehmenden Orchestervorspiel. Die Fortissimi trafen den Hörer wie Schmerzensschreie. Ausdrucksstark folgte das Solistenquartett, von schönen Holzbläsersoli eingerahmt. Die von Pauken unterstrichene Dramatik setzte der Chor im „Eia Mater“ gut um, vielleicht hätte man sich hier einen etwas kraftvolleren Gesang vorstellen können.

Hoffnung ließ der Chor mit dem Bass im 4. Teil aufschimmern. Spannungsreich pulsierte im 6. Teil das Tenorsolo mit dem Chor. Ansprechend war die Interpretation von „Virgo virginum“ (7.), besonders innig kam das Duett von Sopran und Tenor „Fac ut portem“ zu Gehör, um dann die hoffnungsfrohe Botschaft des Schlusschores wie in Stein gemeißelt nachwirken zu lassen.

Aus der Bonner Rundschau, BONNER KULTUR 27.02.2008

Von Solistenkrankheit bedrohtes "Stabat Mater"

 

Weniger optimistische Naturen hätten das Konzert wohl abgesagt, aber gemäß der rheinischen Devise "Et hätt no immer jot jejange" präsentierte Dirigent Jürgen Böhme dem staunenden Publikum gleich zwei Ersatzleute für die erkrankten Christoph Scheeben und Aris Argiris. Und es ging gut, da mit Mark Morouse und Mark Rosenthal zwei Profis von der Bonner Oper sich mutig der Aufgabe stellten, ein recht anspruchsvolles Werk zu präsentieren, das gerade nicht zu ihren Repertoirestücken gehört. Alle Achtung auch für die kränkelnde Altistin, die hin und wieder zum Taschentuch greifen musste, aber ihre Partie dann doch mühelos bewältigte. Anja Eichhorn als vierte im Bunde setzte mit ihrem Sopran ein weiteres stimmliches Glanzlicht auf. Wenn vom Quartett die dramatischen Akzente der leidenden Gottesmutter und der sich einfühlenden andächtigen Seele gesetzt wurden, so tarierte der Chor das Gefühlsleben mit einer einschmeichelnden Sanglichkeit aus, die dem Zuhörer nahe brachte, wie sich Dvorak hier mit seinem Schicksal aussöhnte, das ihm innerhalb von zwei Jahren drei seiner Töchter entriss. Das das Werk beschließende Amen gipfelt in der triumphalen Geste über die Sterblichkeit, in der Chor und Orchester sich gegenseitig zu überbieten suchen, auf dass das Heilsversprechen greifbare sinnliche Gewissheit werde: Insgesamt also doch eine gelungene Aufführung der Bonner Bach-Gemeinschaft und der Bochumer Symphoniker!

Aus dem Köln-Bonner Musikkalender Nr. 227, April 2008

 

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