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Verdi - Requiem 28.02.2009 Beethovenhalle

Requiem zum Geburtstag

Bonner Bach-Chor startet mit Verdis "Totenmesse" erfolgreich ins Jubiläumsjahr

 

Vor sechzig Jahren wurde Bonn zur vorläufigen Bundeshauptstadt bestimmt, das Grundgesetz verkündet und - die Bonner Bach-Gemeinschaft gegründet. Treibende Kraft und erster Dirigent war Gustav Classens, damals städtischer Musikdirektor, der den Chor mit Blick auf den 200. Todestag von Johann Sebastian Bach im Jahr 1949 ins Leben rief. Ihr rundes Jubiläum nimmt die Bach-Gemeinschaft nun zum Anlass für eine Reihe von gewichtigen Konzerten, die im März 2010 mit der h-Moll-Messe von Bach ihren Abschluss findet.
Ein fulminanter Start gelang dem Ensemble mit der Aufführung der "Messa da Requiem" von Verdi, die in eine Reihe mit Mozarts und Berlioz' Vertonungen der Totenmesse zu stellen ist. Die Partitur verwendet die gesamte Farbenpracht des romantischen Orchesters, die Musiksprache ist die der Oper, leidenschaftlich, schwelgerisch, aber auch innig und zart, mit monumentalen Chören und hinreißenden Kantilenen.
Dirigent Jürgen Böhme erzielte mit mit der lebendig und differenziert singenden Bach-Gemeinschaft (verstärkt um den Yokohama Sound Bridge Choir) und den glanzvoll aufspielenden Bochumer Symphonikern in der Beethovenhalle eine packende Darstellung.
Seine Lesart vermied alles Schwerfällige, Klebrige, sondern setzte auf Dringlichkeit und erregte Intensität, die noch bis ins fast tonlose Murmeln des Chores spürbar war. Wie in einem Panorama des Jüngsten Gerichts fühlte man sich angesichts der heulenden Chromatik des "Dies irae" oder der Klanggewalt des "Tuba mirum". Wie innig der Chor zu singen vermag, erlebte man dagegen etwa im "Libera me".
Zum Gelingen des Abends trug nicht zuletzt das Solistenquartett bei. Joko Ando, der Leiter des japanischen Gastchores, ließ einen soliden Bass hören, Xavier Moreno bestach mit samtig geführtem Tenor, Dagmar Linde führte ihren ungemein kraftvollen Alt manchmal etwas eigenwillig, Claudia Couwenbergh schließlich beeindruckte mit großartig ausdrucksstarkem Sopran.

Aus dem Feuilleton des General Anzeiger Bonn, 02.03.2009 (Mathias Nofze)

Mit Gästen aus Japan gesungen

Bach-Gemeinschaft führte Verdis "Messa da Requiem" auf


Noch bevor die Bonner Bach-Gemeinschaft den ersten Ton von Giuseppe Verdis "Messa da Requiem" in der Beethovenhalle anstimmte, ließ Renate Held, die Vorsitzende des Chores, der sein 60-jähriges Bestehen feiert, den Werdegang des seit 2007 unter Jürgen Böhme musizierenden Oratorienchors Revue passieren: Am 19.10.1949 unter Gustav Classens gegründet, 1959 das erste Konzert in der Beethovenhalle, dem bis heute 70 weitere folgten und als Repräsentant für die Beethovenstadt Bonn im In- und Ausland unterwegs.
Wie vor zehn Jahren beginnt der Chor das Jubiläumsjahr mit Verdis Totenmesse, die wie eine Oper komponiert und 1874 in Mailand uraufgeführt wurde. Am 6. März 2010 schließt er das Jubiläumsjahr mit Bachs Messe in h-Moll ab.
Bei der eindrucksvollen Aufführung des Requiems wurde die Bach-Gemeinschaft von Gästen aus Japan, dem "Yokohama Sound Bridge Choir" sowie den inspiriert musizierenden Bochumer Symphonikern unterstützt. Böhme legte bei seiner Version des Requims, das der Opernkomponist quasi zwischen "Aida" und "Falstaff" geschrieben hat, auf eine plakative dynamische Nachzeichnung der immanenten dramatischen Züge Wert. Die eruptive Wirkung des aufpeitschend anmutenden "Dies irae" ging nicht zuletzt auf einen kultivierten Pianoklang im Eingangschor (Requiem, Kyrie) zurück. Die dramatische Wirkung der Blechbläser und Pauke waren eindrucksvoll.
Kontrastreich gelang nicht zuletzt der Teil "Rex tremendae" für Chor und Solisten. Nachklingend, dank seiner subtilen Gestaltung, blieben der Schlusschor "Libera me", aber auch der vorausgegangene, diffizile Doppelchor "Sanctus" im Gedächtnis. Die allesamt opernerfahrenen Solisten gaben sowohl dem dramatischen Gestus als auch dem dämonischen Gehalt ihrer Partien glänzend nach: Allen voran die Sopranistin Claudia Couwenbergh, gefolgt von Dagmar Linde (Alt), dem mit sehr weicher Stimme ausgestatteten Tenor Xavier Moreno sowie Joko Ando, Bass. Ando ist zugleich der Leiter des japanichen Gastchors, der die Bach-Gemeinschaft zu rund 180 Stimmen ergänzte. Brausender Schlussapplaus.

Aus der Bonner Rundschau, "Bonner Kultur" 03.03.2009 (Felicitas Zink)

Verdis "Requiem" ohne zu viel Romantik

Mit Verdis "Requiem" begann die Reihe von Aufführungen, mit denen die Bonner Bach-Gemeinschaft das 60. Jahr ihrer Gründung begeht, und unter der Leitung ihres neuen und dynamischen Dirigenten Jürgen Böhme gestaltete sich dies ausgesprochen erfreulich und auf musikalisch hervorragendem Niveau. Unter Mitwirkung des dem Bonner chor partnerschaftlich verbundenen Yokohama Sound Bridge Choir aus dem Fernen Osten war eine sehr schlagkräftige Formation gebildet worden, die der furchterregenden Gewalt des "Dies irae" nichts an Klangmacht schuldig blieb, aber auch zu leisen, innigen Bitten imstande war, unterstützt von den Bochumer Symphonikern, die die lapidare, manchmal geradezu karge Klangsprache des späten Verdi adäquat umsetzten. Der Dirigent vermied zudem übermäßiges "Romantisieren" und setzte auf durchweg schnelle Zeitmaße, um den unbestreitbar opernhaften Grundzug dieser Musik nicht zu sehr zu betonen. Unter den Solisten erfreuten besonders Claudia Couwenbergh (Sopran) und Dagmar Linde (Alt), die sich auch zum berückend klangschönen Duett vereinten; auch Xavier Moreno (Tenor) und Joko Ando (Bass), der als Leiter des japanischen Gastchores nach Bonn gekommen war, lieferten ihren wertvollen Beitrag zu dieser durchweg großartigen Darstellung von Verdis "schönster Oper", wie man einmal hintersinnig bemerkt hat.

Aus dem Köln-Bonner Musikkalender April 2009

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